ein weiches, wundes herz
mhm, nochmal zu dem gandhi-zitat da neulich: mir fehlen ja leider immer die großen worte und das akademische wissen, meine gedanken an der wirklichkeit, der komplexität dieser welt zu messen. aber: ich finde strikte gewaltfreiheit sehr radikal. sehr viel radikaler beispielsweise, als steine in bankschaufenster zu kloppen oder dorfnazis plattzumachen oder bomben auf beirut zu schmeißen. ich finde das wichtig und richtig - sich den kreisläufen der gewalt strikt zu entziehen und der gewalt anderer dadurch die kraft zu rauben. nicht, indem ich zurückschlage. sondern indem ich nicht zulasse, dass die gewalt eines anderen meine wut nährt und mich dadurch vergiftet. macht das sinn? es gibt diese zen-geschichte, in der ein junger samurai einen alten zen-meister herausfordert und derb beschimpft und mit einem stab verprügelt. und der meister - wie diese typen eben so sind - regt sich nicht vom fleck. seine schüler sind darüber ziemlich verärgert und können gar nicht glauben, dass der meister dem samurai nicht in den arsch getreten hat. doch der meister
erhebt sich nur, und im davongehen sagt er sowas wie: "wenn du ein geschenk erhältst und du nimmst es nicht an, wem gehört dann das geschenk?"
und wenn ich das lese, dann denke ich: ja, genau! aber wie schwierig ist das denn bitte? wirklich harm-los zu sein - nicht schwach oder passiv, sondern sich der gewaltfreiheit kompromisslos verpflichtet zu fühlen, das erfordert unglaublichen mut und stärke. da braucht es gar keine kriege oder prügelnazis, es reicht schon ein durchschnittlicher
arbeitstag, um das zu merken. mein ego jedenfalls möchte sich um keinen preis etwas gefallen lassen, es möchte gern das sorgsam gehegte bild von sich aufrecht erhalten - und wenn nur ein kleiner konflikt, ein wenig kritik etwa oder ein schnippisches wort auftaucht, dann fährt es sofort die stacheln aus und die panzerglasscheiben hoch. und noch stunden nach dem eigentlichen konflikt geht der krieg in meinem inneren weiter - indem ich mir in endlosmonologen selbst auf die schulter klopfe und bestätige, wie ungerecht ich gerade behandelt wurde. sorgsam lege ich mir dann zurecht, wie ich das nächste mal kontern und mir nichts gefallen lassen werde! und erst sehr viel später fällt mir auf, wieviel macht ich diesem konflikt über mich zugestanden habe. diese machtverschiebung finde ich furchtbar interessant - vor einer weile habe ich ein interview mit einer südafrikanischen anti-apartsheid-aktivistin gelesen. und die hat etwas sehr kluges über vergebung gesagt, nämlich: dass die opfer, indem sie den tätern vergeben und es sich nicht erlauben, diese zu hassen, sich kontrolle verschaffen und die ihnen geraubte macht zurückholen. und das ist letzten endes vielleicht wahre stärke, eine stärke, die das herz nährt und weit macht. nicht umsonst verwendet chögyam trungpa in seinen schriften häufig das bild des erwachten wahren kriegers, dessen herz weich und wund ist und die kraft birgt, die welt zu erhellen. ein paar wenige funken davon durfte ich bereits sehen, und sie machen mut und lust auf mehr.
erhebt sich nur, und im davongehen sagt er sowas wie: "wenn du ein geschenk erhältst und du nimmst es nicht an, wem gehört dann das geschenk?"
und wenn ich das lese, dann denke ich: ja, genau! aber wie schwierig ist das denn bitte? wirklich harm-los zu sein - nicht schwach oder passiv, sondern sich der gewaltfreiheit kompromisslos verpflichtet zu fühlen, das erfordert unglaublichen mut und stärke. da braucht es gar keine kriege oder prügelnazis, es reicht schon ein durchschnittlicher
arbeitstag, um das zu merken. mein ego jedenfalls möchte sich um keinen preis etwas gefallen lassen, es möchte gern das sorgsam gehegte bild von sich aufrecht erhalten - und wenn nur ein kleiner konflikt, ein wenig kritik etwa oder ein schnippisches wort auftaucht, dann fährt es sofort die stacheln aus und die panzerglasscheiben hoch. und noch stunden nach dem eigentlichen konflikt geht der krieg in meinem inneren weiter - indem ich mir in endlosmonologen selbst auf die schulter klopfe und bestätige, wie ungerecht ich gerade behandelt wurde. sorgsam lege ich mir dann zurecht, wie ich das nächste mal kontern und mir nichts gefallen lassen werde! und erst sehr viel später fällt mir auf, wieviel macht ich diesem konflikt über mich zugestanden habe. diese machtverschiebung finde ich furchtbar interessant - vor einer weile habe ich ein interview mit einer südafrikanischen anti-apartsheid-aktivistin gelesen. und die hat etwas sehr kluges über vergebung gesagt, nämlich: dass die opfer, indem sie den tätern vergeben und es sich nicht erlauben, diese zu hassen, sich kontrolle verschaffen und die ihnen geraubte macht zurückholen. und das ist letzten endes vielleicht wahre stärke, eine stärke, die das herz nährt und weit macht. nicht umsonst verwendet chögyam trungpa in seinen schriften häufig das bild des erwachten wahren kriegers, dessen herz weich und wund ist und die kraft birgt, die welt zu erhellen. ein paar wenige funken davon durfte ich bereits sehen, und sie machen mut und lust auf mehr.
